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Selbstständigkeit: Will ich das überhaupt?

Mai 14, 2019

Knapp 11 % der Österreicherinnen sind (laut Statistik Austria) 2018 selbstständig gewesen. Eine geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass es diese Unternehmerinnen sind, die die österreichische Wirtschaft antreiben. Doch es ist nicht vewunderlich. Für eine Selbstständigkeit muss man gemacht sein. Denn sein eigener Chef sein, bedeutet nicht nur Eigenbestimmung und Freiheiten, sondern vor allem auch Verantwortung und Bürokratie.

Vorteile & Nachteile

Selbstständigkeit beschreibt sich sehr gut selbst. Denn wer sein eigener Chef ist, muss oft selbst und ständig arbeiten. Wer also sein Wochenende liebt oder schon um 8 Uhr in der Früh feiert, dass er um 16 Uhr Feierabend hat, sollte sich den Schritt in die Selbstständigkeit noch einmal überlegen.

Gleichwohl sollte jemand, der glaubt, dass die Selbstständigkeit höhere Steuern und Gesundheitsbeiträge bedeutet, noch einmal genauer die Gesetze studieren. Denn höhere Steuern zahlt nur, wer mehr verdient. Die Steuerklassen sind in Österreich für alle gleich. Der einzige Unterschied zwischen Angestellter, Arbeiterin oder Selbstständiger ist die Tatsache, dass bei den ersten beiden diese Dinge bereits aus dem Lohn heraussubtrahiert wurden.

Generell sind die Vor- und Nachteile einer Selbstständigkeit ein sehr spannender Punkt. Denn was für jemand ein Vorteil ist, ist für jemand anderes ein absoluter Nachteil. Das bedeutet allerdings weder, dass jemand der sich für eine Selbstständigkeit entscheidet besser als eine Arbeiterin oder eine Angestellte ist, noch das diese Person ein bisschen verrückt ist. Hierbei geht es einfach darum, dass wir verschiedene Typen sind. Jemand fühlt sich in einem Angestelltenverhältnis einfach sicherer oder möchte sich gar nicht in einer Selbstständigkeit versuchen, weil er in seinem Job erfüllt ist oder andere Dinge wichtiger in seinem Leben sind.

Ich selbst definiere mich über meine Karriere. Für mich ist das, was ich tue und wofür ich mein Geld verdiene immens wichtig und ein großer Teil meines Ichs. Das ich mich traue mein eigener Chef zu sein, war also nur eine Frage der Zeit.

Meine persönlichen Vor- und Nachteile einer Selbstständigkeit

Vorteile

  • Freiheit
  • ich arbeite für mich
  • Selbstverwirklichung
  • eigene Projekte
  • freie Zeiteinteilung

Nachteile

  • finanzielle Unsicherheit
  • Selbst & Ständig – lernen Auszeiten zu nehmen

Man sieht relativ eindeutig, wie sehr die Vorteile für mich überwiegen. Vor allem, da mich auch die Punkte der finanziellen Unsicherheit und das ich selbst und ständig arbeiten muss, nicht abschrecken. Natürlich würde ich mir die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses wünschen. Aber ich persönlich habe mich in meinen bisherigen Jobs als Angstellte immer eingeengt gefühlt und bin sehr schnell unglücklich geworden. (Mehr dazu könnte ihr in Teil eins „Mein Unternehmen: Die Idee“ lesen)

Vielleicht lag das daran, dass ich einfach noch nicht den richtigen Job gefunden habe. Mag sein. Aber seit ich nur den Gedanken einer Selbstständigkeit in Betracht gezogen habe, fühle ich mich befreiter und freue mich wieder aufs Arbeiten. So sehr, dass für mich am Wochenende Arbeiten keine Qual ist. Die freie Zeiteinteilung macht eben möglich, dass ich mir dafür unter der Woche einen Nachmittag gönne, an dem ich nichts tue oder nur etwas für mich. Das ich dann am Sonntag, um 8 Uhr morgens (hello, this is me, currently writing this), weil der Hund mich geweckt hat und ich eh nichts besseres zu tun habe, meinen Laptop nehme und Blogposts schreibe, ist für den einen unvorstellbar, für mich einfach Spaß.

© QuoteUNQUOTE

Sozialversicherung & Steuern

Die beiden wichtigsten Bereiche für viele, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, aber auch die, die scheinbar mit den meisten Gerüchten und Mythen umwoben sind, sind die Bereiche der Sozialversicherung und Steuern.

Sozialversicherung

In Österreich gilt die Pflichtversicherung. Das bedeutet, jeder der einer Arbeit nachgeht muss Sozialversichert sein. Wer in ein Arbeitsverhältnis, welches über der Geringfügigkeitsgrenze liegt, eintritt, wird automatisch vom Arbeitsgeber versichert. (Siehe Abzüge auf dem letzten Lohnzettel). Alle die in einem Geringfügigen Arbeitsverhältnis oder Selbstständig tätig sind, müssen sich selbst um eine Versicherung kümmern.

Für Geringfügige bieten die Krankenkassen hierfür vergünstigte Tarife an. Für Selbstständige ist die Sozialversicherungsanstalt (SVA) die Anlaufstelle Nummer 1. Und im Gegensatz zu den anderen Krankenkassen ist die Betreuung hier rasch und kompetent. Also keine Scheu, wenn Fragen auftreten die Online nicht ausreichend beantwortet werden. Einfach anrufen oder eine Mail schreiben.

Wie viel muss ich zahlen?

Höhe der Beiträge und Beitragsgrundlage

In der Krankenversicherung sind 7,65 %, in der Pensionsversicherung sind 18,50 % und in der Selbständigenvorsorge sind 1,53 % der Beitragsgrundlage zu entrichten. Der Beitrag zur Unfallversicherung beträgt monatlich € 9,79 – unabhängig von der Höhe der Beitragsgrundlage.

Beitragsgrundlage sind die Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Einnahmen abzüglich Betriebsausgaben) laut dem jeweiligen Einkommensteuerbescheid zuzüglich der vorgeschriebenen Beiträge zur Kranken-, Pensions- und freiwilligen Arbeitslosenversicherung. Da dieser Steuerbescheid oft erst einige Jahre später vorliegt, werden die Beiträge vorläufig von den Einkünften des drittvorangegangenen Kalenderjahres bemessen und bei Vorliegen des Einkommensteuerbescheides entsprechend den aktuellen Einkünften korrigiert (ausgenommen die Beiträge zur Selbständigenvorsorge).

Quelle: https://www.wko.at/service/arbeitsrecht-sozialrecht/Sozialversicherung_der_Gewerbetreibenden.html

Alle Infos zu Versicherungen und Beiträgen bei der SVA gibt es hier: Link
Alle Infos zur Sozialversicherung für Selbstständige gibt es über diesen WKO Link hier: Link

Steuern

Grundsätzlich gilt: Wer mehr verdient, muss mehr Steuern zahlen!

Bis zu einem Jahreseinkommen von 11.000 Euro im Jahr liegt man in der untersten Einkommenssteuerklasse und muss mit 0% keine Steuern zahlen.  (Achtung! Sozialversicherung ist trotzdem zu zahlen!)

Wer zwischen 11.000 bis 18.000 Euro an Jahreseinkommen hat muss 25% Steuern zahlen. Allerdings nur von dem Betrag der die 11.000 Euro übersteigt. Sprich, wenn man 17.000 Euro Jahreseinkommen hat, bleiben die 11.000 Euro mit 0% steuerfrei und die 6.000 Euro auf die 17.000 werden mit 25% versteuert. Also sind  1.500 Euro Steuern zu zahlen.

Die Steuerklassen im Überblick

bis 11.000 € – 0%
11.000 bis 18.000 €  – 25%
18.000 bis 31.000 € – 35%
31.000 bis 60.000 € – 42%
60.000 bis 90.000 € – 48%
90.000 bis 1.000.000 € – 50%
Einkommen ab 1.000.000 Euro im Jahr 55% Steuern.

Wer also zum Beispiel 83.000 Euro im Jahr verdient, zahlt für die ersten 11.000 Euro 0% Steuern, für die 7.000 Euro bis 18.000 25% (1.750 Euro), für die 13.000 bis 31.000 35% (4.550 Euro), für die 29.000 bis 60.000 42% (12.180 Euro), und für die 23.000 bis zu den 83.000 noch 48% (11.040 Euro).

Das wären bei einem Jahreseinkommen von 83.000 Euro Steuern von 29.520 Euro.

Infos zur Steuer für Unternehmerinnen findet ihr hier: Link (WKO)
Die WKO bietet auch Workshops zum Thema Steuern an. Weitere Infos dazu hier: Infos Steuerworkshops für Neugründer (WKO)

Allerdings dient dieser Workshop wirklich nur zur Information für UNTERNEHMER! Angestellte oder Arbeiterinnen bekommen in diesen Workshops keine Informationen. Es geht allgemein um Themen die Unternehmerinnen und Selbstständige betrifft und es kann auf Grund der Zeit auch nicht auf einzelne Fallbeispiele eingegenagen werden. Dazu dient die Beratung der WKO.

Wer darüber nachdenkt einen Gründerworkshop zu besuchen, braucht, meiner Meinung nach den Steuerworkshop nicht. Ich habe im Steuerworkshop, nachdem ich bereits den Gründerworkshop besucht habe, nichts neues gelernt. Weitere Infos zum Gründerworkshop und wie es mir gefallen habt, erfahrt ihr übrigends nächste Woche in Teil 3.

Und wie weiß ich jetzt, ob ich für die Selbstständigkeit gemacht bin?

Die Wirtschaftskammer hat einen Unternehmertest online gestellt. Die Fragen geben einen kleinen Einblick in das Unternehmertum. So lässt sich feststellen, ob du generell für eine Selbstständigkeit geeignet bist. Natürlich bringt der Test keine 100%ige Sicherheit, aber es ist nicht schlecht ihn zu machen um zu schauen, ob man geeignet ist oder nicht. Und wer ist denn nicht zumindest neugierig?

Hier gehts zum Test

Teil 3 „Der Gründerworkshop“ kommt nächste Woche online.

Wer Teil 1 „Mein Unternehmen: Die Idee“ noch einmal lesen möchte, findet den Beitrag HIER.

By Claudia

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